50 Jahre Schüleraustausch Tecklenburg-Chalonnes – Grenzen überwinden und gemeinsam feiern
Es gibt Schulen, da schlafen die Austauschprogramme nach einiger Zeit ein. Nicht so am Graf-Adolf-Gymnasium. Dort sind die Begegnungen mit dem Collège Saint-Exupéry in Chalonnes-sur-Loire seit 50 Jahren sehr lebendig. Das wird jetzt gefeiert.
Viele kennen die Geschichte von dem Pädagogen aus Tecklenburgs Partnerstadt Chalonnes, der auf einer Urlaubsreise mit seinem Wohnwagengespann hier gestrandet ist und durch eine GAG-Schülerin Kontakt zur Schulleitung bekam. Daraus entstand eine Freundschaft, die seit nunmehr 50 Jahren hält und sehr lebendig ist, denn seitdem gibt es das Austauschprogramm des Graf-Adolf-Gymnasiums mit dem Collège Saint-Exupéry.
Im Jubiläumsjahr wird das natürlich groß gefeiert: mit einem Projekttag, einem Festakt und einem geselligen Beisammensein am Freitag (20. März). Mit dabei ist eine 21-köpfige Schülergruppe aus Frankreich, die am Abend zuvor in Tecklenburg erwartet wird.
Corona bremst die Begegnungen nicht aus
Unter dem Titel „Grenzen überwinden“ steht nicht nur der Jubiläumstag, sondern im Grunde auch der Schüleraustausch in fünf Jahrzehnten. „Es ist ein wahnsinnig tolles Programm, bei dem die Kinder viel erleben“, betont Dagmar Kerssen im Namen der Schulpflegschaft. Nach dem Austausch bekomme man erwachsenere Kinder zurück, weiß sie aus eigener Erfahrung. Und: Die Kontakte bleiben erhalten zwischen den Kindern aus Tecklenburg und Chalonnes, aber auch zwischen den Eltern.
Die Freundschaft der beiden Schulen besteht also aus deutlich mehr als den Begegnungen der Schülerinnen und Schüler. Auch die Lehrerinnen und Lehrer der beiden Schulen tauschen sich nicht nur während der gegenseitigen Besuche aus. Vor zwei Jahren sei eine Schulleiterin aus Chalonnes für eine Woche in Tecklenburg gewesen und habe am GAG eine Art Praktikum absolviert, erzählt GAG-Schulleiterin Evelyn Futterknecht. „Das war total spannend für uns beide.“ Und beide haben auch etwas dazugelernt, da der Schulalltag in Tecklenburg und Chalonnes durchaus unterschiedlich ist. Und als sie vor einem Jahr in Chalonnes war, konnte Evelyn Futterknecht sehen, dass dort Einiges umgesetzt worden war von dem, was ihre Kollegin aus Tecklenburg mitgenommen hatte.
Teilnahme für Kinder
Selbst die Coronazeit konnte die Begegnungen nicht ausbremsen. Da eine Unterbringung der Schüler in Familien wegen der Ansteckungsgefahr ausschied, habe man sich eine Drittort-Begegnung im grenznahen Raum überlegt, schildert Anja Weitkamp, die als Französischlehrerin des GAG nicht nur in die Organisation des Austauschprogramms eingebunden ist, sondern auch federführend in die Jubiläumsfeier. 2022 habe man sich beispielsweise in der Nähe von Straßburg getroffen. Untergebracht waren die Schüler in einer Jugendherberge, wo man im Fall einer Ansteckung mit Corona die betreffende Person hätte isolieren können.
Diese Drittort-Begegnung wird aufgrund positiver Erfahrungen neben dem klassischen Austausch für den achten und neunten Jahrgang fortgesetzt. Positiver Nebeneffekt: Daran können auch Kinder teilnehmen, die sich nicht zutrauen, eine Woche in einer fremden Familie zu leben.
Doch nun kommt es wieder zum Austausch. Und daran beteiligen sich nicht nur 21 Schülerinnen und Schüler aus Chalonnes, anreisen werden auch zehn Mädchen und Jungen aus einer Inklusionsgruppe mit besonderem Förderbedarf. Die werden am Projekttag zwei Hochbeete bauen, die mit für Frankreich und Deutschland typischen Pflanzen bestückt werden. Salbei und Lavendel gehören dazu.
Grenzen überwinden
Am Projekttag wird nicht nur das Jubiläum gefeiert, sondern auch die europäische Idee. Entsprechend stehen auch die Themen, mit denen sich die Schülerschaft befasst, immer unter dem Leitwort „Grenzen überwinden“. Dabei geht es um soziale, innere und persönliche Grenzen, um Grenzen der Wissenschaft, aber auch um die Entwicklung der deutsch-französischen Freundschaft nach dem 2. Weltkrieg und um ein respektvolles Miteinander.
Um 12.30 Uhr werden alle Ergebnisse in der Pausenhalle präsentiert. Um 14 Uhr schließt sich der Festakt an und um 16 Uhr beginnt ein geselliges Beisammensein, zu dem sich auch Ehemalige angemeldet haben.
Organisiert wurde das alles mit großer Elternbeteiligung von Anja Weitkamp. „Wir haben hier sehr viele engagierte Menschen“, freut sie sich mit Blick auf Schüler, Eltern und Kollegium. „Ohne das Engagement der Lehrer wäre das nicht möglich“, lobt Dagmar Kerssen deren Bereitschaft, Zeit in Austausch und Jubiläumsprogramm zu investieren.
Aus: Westfälische Nachrichten, Freitag, 13. März 2026
von Ruth Jacobus