„Den Nebel im Kopf lichten“ – Gedankenaustausch zur Rettung der Demokratie – Ruprecht Polenz zu Gast am GAG

„Den Nebel im Kopf lichten“ – Gedankenaustausch zur Rettung der Demokratie – Ruprecht Polenz zu Gast am GAG

„Was kann man tun, um unsere Demokratie zu verteidigen?“ Diese Frage stand im Fokus, als am Donnerstag vergangener Woche (7. Mai 2026) der in der Region verwurzelte deutschlandweit bekannte CDU-Politiker und Autor Ruprecht Polenz zu Gast in der Aula des Tecklenburger Graf-Adolf-Gymnasiums war. Eingeladen von Geschichtslehrer Christian Stroff, der Herrn Polenz bei einer Lesung in Münster kennenlernte, und Schülerinnen und Schülern eines SoWi-Kurses der Jahrgangsstufe 10, die sich im Unterricht mit seinem Buch „Tu was! Kurze Anleitung zur Verteidigung der Demokratie“ beschäftigt hatten, widmete er sich einer Podiumsdiskussion dem Gedankenaustausch mit drei Jugendlichen und danach zahlreichen weiteren Fragen des gesamten Jahrgangs, die den Diskurs aufmerksam verfolgt hatten. „In unseren Politik- und SoWi-Kursen wird eine kritische Auseinandersetzung mit Aspekten, die heutige Demokratien schützen aber auch gefährden können, großgeschrieben“, sagt SoWi-Lehrerin Susanne Willmer, die mit ihrem Kurs den viel diskutierten Spiegel-Bestseller gelesen und diskutiert hatte. Und Polenz‘ kompakte Darstellung dieses sehr komplexen und kontroversen Themenfelds war anregend genug gewesen, mit dem Autor in der Form einer Podiumsdiskussion zu diskutieren und andere Gleichaltrige einzubeziehen.

Moderation und Fragestellung hatten Viktoria Thrän, Hannah Bardelmeier und Tim Zastrau inne und, entwickelt aus der der Diskussion in dem 30-köpfigen Sozialwissenschaftskurs. Sehr klar bezogen sie hier auch eigene Kenntnisse und Interessensfelder ein aber auch Unsicherheiten und Sorgen, die die Fünfzehnjährigen heute begleiten. So entstand eine Gesprächsatmosphäre auf Augenhöhe, in der sie die Erfahrungen des langjährigen Bundespolitikers wertschätzen konnten. Durch seine Erklärungsmodelle und Handlungsvorschläge erfuhren sie nicht nur vieles vom Alltag in wichtigen politischen Gremien und als anerkannter Autor. Ermutigend illustrierte er ihnen Aspekte seines Werdegangs, exemplarisch für Möglichkeiten der Gestaltung und der politischen Mitwirkung in unserem Staatswesen. Angefangen bei seinen Motiven, als Jurastudent im Münsteraner Studentenparlament, mitzuwirken, bei der Schilderung seiner Motive beim Engagement in seiner Partei, in der Kommunal- und Bundespolitik, bei seiner Arbeit als Autor bis hin zu seiner steten Weiterbildung im Umgang mit neuen Medien in der Auseinandersetzung mit aktuellen Gefahren für die Demokratie – Polenz ist stets aktiv geblieben auf den Ebenen, die er als wirksam für den Erhalt der Demokratie ansieht. Gefahren sieht er zur Zeit vor allem durch die von den Jugendlichen selbst angesprochenen und für sie vielfach rätselhaften Handlungs- und Argumentationsschemata von rechts. Er schließt aber nicht aus, sich jederzeit auch gegen jede andere Richtung demokratiefeindlichen Agierens engagieren zu wollen.

Politischer Extremismus und Verschwörungsthesen auf Social Media bildeten das große Startthema, das den Moderierenden wichtig war. Hier verdeutlichte Polenz dem jungen Auditorium sehr plastisch, dass Schulen und Elternhäuser richtig liegen, wenn sie weiterhin noch den Wert aktiven Handelns und pluralistischer Berichterstattung vermitteln. Wer seine ausschließliche Informationsbasis auf an Jugendliche gerichtete Social-Media-Plattformen gründe, unterliege zahlreichen Manipulationen und Einseitigkeiten, gelenkt durch kommerzielle und politische Interessen. Polenz verdeutlichte das Prinzip bewusster Vereinfachung und Verzerrung komplexer Zusammenhänge und der dadurch leider sehr wohltuenden Einengung auf eigene erwünschte Anschauungen, die letztlich auf Algorithmen basieren. Dass von häufig zudem noch der Wert und die Glaubwürdigkeit öffentlich-rechtlicher Medien in Frage gestellt werde, trage hierzu verstärkend bei. Daher müsse es insbesondere auch für Jugendliche wichtig bleiben, eine möglichst vielfältige Berichterstattung, besonders auch aus öffentlich-rechtlichen Medien, zu verfolgen. Dies erfordere Motivation, Kraft und Zeitaufwand beim Lesen und Wahrnehmen dieser Informationen und sicher auch einiges an Mut, auch diese Sendungen und Texte traditioneller Medien mit Gleichaltrigen zu teilen, um wirklich umfassend informiert zu sein.

Der Frage nachgehend, was Jugendliche tun können, um demokratisches Handeln aktiv und in ihrem eigenen Umfeld zu betreiben, griff Polenz besonders den Begriff der Zivilcourage auf. Diese sollte stets sehr bewusst und aktiv immer dann betrieben werden, wenn Schwächere in Bedrängnis geraten oder wenn ungerechtes, rassistisches oder gewaltsames Handeln im Raum stehe. Auch der einzelne Mensch, wie alt er auch sei, könne deutlich widersprechen, wenn Menschen von Seiten anderer durch Worte oder Gewalt in Schwierigkeiten seien. Hier lenkte er das Thema auf jene vielleicht doch häufiger einmal auftretenden Schulhofdiskussionen, in denen Schwächere in Bedrängnis geraten: Hier könnten auch Einzelne die Situation klar in eine andere Richtung lenken, was mit Mut und Überwindung verbunden sei aber auch bewirken könne, dass die schweigende Masse hierauf reagiere und dadurch mithelfen, eine Änderung zu bewirken.

Übungsfelder für das Erlernen demokratischen Handelns im Leben heutiger Jugendlicher machte er auch auf, als er ein Mitmachen bei Umwelt- und Hilfsprojekten sowie Engagement in Vereinen, Hilfsorganisationen und demokratischen Parteien ansprach. Dies machte er auch an Beispielen aus seinem Leben deutlich. Der studierte Jurist arbeitete aktiv in Hochschulgremien mit, war politisch im Münsteraner Stadtrat aktiv und war schließlich lange Jahre als Bundestagsabgeordneter in in verschiedenen Parlamentsgremien und Funktionen tätig.

Glaubwürdig als Demokrat ist Polenz für Jugendliche, so zeigte es sich in der Diskussion, da er mit ihnen in einen sehr authentischen Dialog eintritt und sich um Verständlichkeit bemüht. Seit Jahrzehnten in Sachen Erklärung und Wahrung von Demokratie unterwegs, gelang es ihm auch in Tecklenburg, die sehr aufmerksam zuhörenden Schülerinnen und Schüler zur Wertschätzung der Demokratie anzuregen. Dies zeigte sich vor allem in den vielen Fragen aus dem Publikum, die andererseits auch ein hohes Maß an Informiertheit über die politische Lage in Deutschland und in der Welt erkennen ließen.

Polenz stellte sich dem Themenspektrum sehr authentisch als Mensch, der seit seiner Jugend mit den in der Bundesrepublik gegebenen demokratischen Mitteln eingreift, wo es ihm notwendig erscheint. Stets nimmt er hierbei auch andere Meinungen und Zeiterscheinungen wahr und setzt sich ernsthaft mit ihnen auseinander. Dies empfahl er auch den Jugendlichen, um nicht von Fake News und oberflächlicher Unterhaltung entmündigt zu werden.

Auf diesem Weg sei man oft auch Anfeindungen und zuweilen auch Gefahren ausgesetzt die sich nicht nur auf Social Media abbilden. Man müsse dies dennoch im Sinne aktiv gelebter Zivilcourage hinnehmen zur Verteidigung unserer Verfassung und deren wichtigstem Prinzip, der Wahrung der individuellen Menschenwürde. Hier schloss sich der Kreis im Gedankenspiel der Podiumsdiskussion.

„Demokratie ist kein Zuschauersport!“ Mit dieser etwas provozierenden Aussage sprach Rupert Polenz das Interesse und den Ehrgeiz der Fünfzehnjährigen an. Im Rückgriff auf historische und aktuelle Beispiele gelang es ihm, das zu erhellen, was demokratisches Handeln und ein gerechtes Staatswesen plausibel macht. Aber es wurde auch, angeregt durch die Fragen der Jugendlichen, über Motive nachgedacht, die einzelne Akteure aber auch Gruppen haben können, auch funktionierende Demokratien durch einseitige, verschleiernde und menschenverachtende Mittel zu schwächen – und schließlich sogar zu zerstören.

Mit viel Geschichtsbewusstsein untermalte Polenz sein Bekenntnis zur Bildung und zum Lesen, und er betonte, dass er sich heute vor allem als Vermittler eines positiven Demokratieverständnisses sieht. Diese Aufgabe habe er auch in seiner eigenen Familie als Vater und mittlerweile zehnfacher Großvater inne: In seinem Kinderbuch „Wer bestimmt auf unserem Hof?“ habe er bewusst George Orwells dystopischer Idee einer entstehenden Diktatur in eine positive Richtung lenken wollen, in der die klügeren und respektvolleren Tiere sich durchsetzen und alle gemeinsam eine Demokratie schaffen.

Ausdrücklich lobte er am Ende die jugendlichen Moderierenden und die aktiv teilnehmende Zuhörerschaft für diese Veranstaltung und sprach allen ein großes Kompliment für das gute und angeregte Diskussionsklima aus.

(Ho)

(Fotos: Lisa Volkamer)