Soziales Lernen: am GAG groß geschrieben

Soziales Lernen: am GAG groß geschrieben

Das Graf-Adolf-Gymnasium hat für die Jahrgangsstufen 6 und 7 im Übergang zum zweiten Schulhalbjahr praktische Aspekte sozialen Lernens in den Fokus gestellt – Lernerfahrungen, die bedeutsam sind für Schulleben und Alltag. Gegenseitiges Vertrauen und das Erkennen eigener Möglichkeiten und Grenzen gehören dazu. Beide Themen standen für die Elf- bis Dreizehnjährigen in der letzten Woche bei zwei Projekten außerschulischer Bildungsträger im Mittelpunkt. Beratungslehrerin Anja Weitkamp hat sie im Rahmen des Aktivkreises Soziales Lernen nach Tecklenburg geholt, um den Kindern wertvolle und vielfach verblüffende Erfahrungen zu vermitteln. Schulleiterin Evelyn Futterknecht liegt das SOZIALE LERNEN ganz besonders am Herzen. Durch Perspektivübernahme, unterstützende Kooperation und die Stärkung des Selbstbewusstseins würden junge Menschen in ihrer Selbstwirksamkeit unterstützt und prägten so das soziale Miteinander in Schule und Gesellschaft auf positive Weise.

Stärkung von Selbstbewusstsein und gegenseitigem Vertrauen ist das Ziel des Projekts Stark im Miteinander – Fair Mobil. Ein Bus, vollbeladen mit Materialien, Geräten und damit verbundenen praktischen Ideen, die unter Regie geschulter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DRK Landesverbands Westfalen/Lippe eine Vielzahl von Vertrauensübungen möglich machen, war der Clou von zwei Vormittagen in der Turnhalle mit Körperübungen, die Kooperation erfordern. Zu zweit, zu dritt oder zu viert zu versuchen, auf einem Snowboard-ähnlichen Holzbrett oder mit einer Seilvorrichtung voranzukommen, Gegenstände zu verrücken oder gemeinsame Überlegungen im Rahmen kleiner Gruppenspiele zu entwickeln war angesagt – in ständig wechselnden Gruppen und Formationen. Nur selten waren es die eigenen Freundinnen und Freunde, von deren Kooperation das Gelingen einer Übung abhing und somit der Einsatz wertvoller Fähigkeiten und Charaktereigenschaften, die man einander signalisieren musste. Das Gesamtprogramm lässt spüren, dass es wichtig ist, vertrauensvoll zusammenzuarbeiten, egal mit wem, um erfolgreich sehr normale aber auch sehr anspruchsvolle Pläne verwirklichen zu können. Am Ende des Vormittags hatten alle mit bisher vertrauten und eher unvertrauten Partnern kooperiert und neue ‚Dimensionen‘ ihrer Zusammenarbeit erkannt – und dabei nicht nur wie es geht, sicher von A nach B zu kommen, gemeinsam auf einem einfachen Holzbrett.

Das Projekt Jipa/SeHT Barrierecheck brachte den 103 Kindern der Jahrgangsstufe 6 an zwei Vormittagen ein Gefühl für die Situation von Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Ohne Schwierigkeiten laufen, sehen, hören, sprechen oder auch riechen und schmecken zu können war für die allermeisten von ihnen bis dahin nichts, worüber sie lange nachgedacht hatten.

Nachdem das Barrierecheck-Team sie sensibel mit Rollstühlen, Augenbinden, schalldichten Kopfhörern, Geruchs- und Geschmacksproben vertraut gemacht und in konkrete Probleme von Menschen mit Behinderungen eingeführt hatte, waren sie neugierig, Barrieren aufzuspüren, die sich ihnen in ihrem eigenen Umfeld auftun könnten. In einer praktischen Phase waren alle jeweils zu zweit im Schulhaus und auf den Pausenhöfen in wechselnden Rollen unterwegs mit der Aufgabe, sich in die Situation von Rollstuhlfahrern, Sehbehinderten und Hörgeschädigten zu versetzen und Protokoll zu führen über das Vorhandensein von Hindernissen. Der jeweils assistierende Part begleitete, half, erklärte und führte Protokoll über Barrieren einer Fortbewegung, Orientierung oder Verständigung. Dieser Vormittag der Erfahrung von Grenzen, die ein Handicap setzen kann und äußeren Umständen, die dies verstärken oder erleichtern können, war aufschlussreich für alle – um sensibler für die Situation behinderter Menschen zu werden und für ein Erkennen, wann und wie am besten geholfen werden kann oder muss, um insgesamt ‚barrierefreier‘ leben und denken zu können. Die Perspektiven haben sich dadurch erweitert, für die Kinder, die sehr interessiert und engagiert an beiden Projekten teilnahmen und für das GAG, das beide Projekte zur Förderung des sozialen Miteinanders in der Zukunft fortführen will.

(Hö)