Bischof Rivera: „Die Jugend braucht Perspektive“

Bischof Rivera: „Die Jugend braucht Perspektive“

Tecklenburg – Bischof William Ernesto Iraheta Rivera aus El Salvador berichtete den Schülern des Tecklenburger Graf-Adolf-Gymnasiums von der Situation in seinem Heimatland.
Angst um sein Leben hat Bischof William Ernesto Iraheta Rivera nicht: „Gott hat mir diese Aufgabe gegeben, es ist meine Mission.“ Und die, sagte der Bischof von Santiago de María im mittelamerikanischen El Salvador am Montag den Schülern des Graf-Adolf-Gymnasiums (GAG), erfülle er mit Freude. Armut und Gewalt bestimmten den Alltag in El Salvador. Um aus dieser Spirale herauszukommen, sei es wichtig, den Jugendlichen in seiner Heimat eine Perspektive zu bieten.
Für das katholische Hilfswerk Misereor war Rivera einige Tage im Bistum Münster unterwegs. El Salvador steht im Mittelpunkt der Fastenaktion. Begleitet wurde er von Pater Hans-Michael Hürter aus der Fachstelle Weltkirche des Bistums Münster.
Vielen Kindern und Jugendlichen fehle der Zugang zu Bildung, beschrieb der Bischof die Situation in seinem Land. Viele Eltern ließen ihre Kinder arbeiten, um die Familie ernähren zu können. Die meisten Schulen seien zudem in einem schlechten Zustand: „Manche haben keine Toiletten.“ Oftmals müssten die Schüler weite, teils unwegsame Strecken zurücklegen: „Fünf Kilometer bis zur Schule sind keine Seltenheit.“
Die katholische Kirche, betonte Rivera, bemühe sich, Eltern durch Projekte zu sensibilisieren, ihnen zu erklären, dass Bildung ein kostbares Gut für eine bessere Zukunft ist. So hätten schon einige Familien ihre Lage verbessert.
Schulleiterin Evelyn Futterknecht wollte wissen, wie das Graf-Adolf-Gymnasium Bischof Rivera, der vor seiner Priesterweihe Mathematik- und Physiklehrer war, in seiner Arbeit unterstützen kann. Didaktisches Material sei immer Mangelware, lautete die Antwort. Außerdem fehlten Instrumente für den Musikunterricht. „Wir müssen den jungen Menschen Optionen geben, was sie mit ihrem Leben anfangen können“, erklärte Rivera sein Bemühen, Möglichkeiten der Freizeitgestaltung anzubieten. Ansonsten sei die Versuchung für die Jugendlichen groß, Teil der Banden und damit der Drogenmafia zu werden: „Das wollen wir verhindern.“
Die Brutalität der Banden sei erschreckend. Auch einige Priester seien bereits von Clan-Mitgliedern ermordet worden. Doch all dies hindere die Kirche nicht, weiterhin eigentlich staatliche Aufgaben zu übernehmen. Denn staatliche Ebenen seien oft korrupt: „Das Geld, das dadurch versickert, bräuchten die Menschen zum Leben“, kritisierte der Bischof das System. Dieses zu durchbrechen, dessen ist er sich bei allen Versprechungen der gerade gewählten neuen Regierung bewusst, werde nicht einfach sein. „So lange der Staat sich beispielsweise nicht um die Bildung der Menschen kümmert, werden wir es als Kirche tun: weil jeder ein Recht auf Bildung hat.“
Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der WN. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Gudrun Niewöhner