Auf dem Weg gegen Lebensmittelverschwendung

Auf dem Weg gegen Lebensmittelverschwendung

Die erste Einkaufstasche wird eingereicht. „Einmal Obst und Gemüse für drei Personen“ lautet die Ansage und es geht schnellen Schrittes von Korb zu Korb. Den riesen Kohl für eine größere Familie aufsparen, dafür aber zwei Hand voll Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren. Von Zitrusfrüchten gab es dieses Mal viele, damit müssen wir nicht sparen. Und weiter: Äpfel, Birnen, Tomaten, ach komm, nehmen wir doch eine Banane mehr und zum Schluss gibt es noch ein Paar Trauben oben drauf. Ist schließlich für eine Familie, die es braucht.
Jedes Jahr werden elf Millionen Tonnen Lebensmittel allein in Deutschland in den Müll geschmissen. Eine immense Summe, wenn man an all die hungernden Menschen denkt, die auch in Deutschland sparsam mit ihrem Geld umgehen müssen. Wegen des Massenkonsums auf der einen Seite und der Armut auf der anderen Seite gibt es Organisationen wie das Sozialkaufhaus, die Tafel und die Suppenküche. So werden Klamotten, Möbel und Lebensmittel noch einmal weiter verwendet, wenn sie sonst schon in dem Müll gelandet wären.
Als UNESCO-AG haben wir diese Einrichtungen besucht, um uns einen Einblick in deren Arbeitsweise und den Umgang mit den Kunden zu verschaffen. Außerdem war es uns wichtig, dort mithelfen zu können und mit den Ehrenamtlichen zu sprechen. Direkt nachdem wir ankamen, gab es dafür auch schon die erste Möglichkeit. Während ein Teil von uns in dem Sozialkaufhaus herumgeführt wurde, konnte eine von uns schon in der Suppenküche tatkräftig mithelfen.
Suppe, Kelle, Teller, Suppe, Kelle, Teller, im zehn-Minuten-Takt kamen neue Leute und wollten einen Teller der duftenden Suppe. Der Aufenthaltsraum füllte sich mit Leuten. Die 20 Männer und Frauen, die an diesem Tag da waren, saßen gemeinsam an den Tischen und tauschten sich untereinander aus. Bei der wohlig, warmen Atmosphäre genossen es die meisten in guter Gesellschaft zu sein. Als man sich dazusetzte, wurde man auch als „Neuling“ herzlich aufgenommen. Es wurden emotionale Geschichten von Schicksalsschlägen, von Krankheiten und Einsamkeit ausgetauscht. Doch das hindert sie nicht, offen und freundlich miteinander umzugehen. Oft lachten die in so unterschiedlichen Lebenssituationen stehenden Menschen gemeinsam und konnten sich gegenseitig Verständnis für ihre Lage zeigen.
Bei der Tafel wiederum ging es erst einmal um das Sortieren. Die Fahrer haben bereits von den umliegenden Supermärkten Körbe voll Essen abgeholt und zum Haus gebracht. Die haltbaren Lebensmittel wurden nach dem Ablaufdatum sortiert, das Obst und Gemüse wurde nach dem einfachen Motto „würde ich es essen“ ausgewählt und Aufstriche, Joghurt und Brot wurden bei der Theke gelagert. Was das Verteilen von Essen angeht, kann man nichts falsch machen. Nur schnell muss es gehen, es bleibt keine Zeit lange zu überlegen, wie viel eine Person in der Woche isst. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, sagen die Ehrenamtlichen.
Von allen Seiten haben wir uns gut aufgehoben gefühlt. Die Ehrenamtlichen waren froh um ein bisschen Unterstützung, die Kunden haben sich gefreut, neue Gesichter zu sehen und mit anderen ihre Geschichte teilen zu können.

von Johanna Engel (Q1)