Wo die Liebe hinfällt … – … auf weiträumiges Terrain! Improvisationstheater am GAG

Wo die Liebe hinfällt … – … auf weiträumiges Terrain! Improvisationstheater am GAG

Neue Wege beschreitet das GAG seit Einrichtung seines Kreativzweigs in der Mittelstufe mit einer Erweiterung des Faches Deutsch und dessen Kopplung an musische Fächer, um somit auch Theater-, Musik- oder Kunstprojekte zu realisieren, die im Sommer präsentiert werden. Erstmals bewies jetzt die Klasse 8d, die im vergangenen Schuljahr schon durch ihr Improvisationstheaterstück „Ich, Jetzt, Wir“ geglänzt hatte, dass ein Ensemble über zwei Jahre hinweg seine Talente und seine Erzählweise ausbaut und Sensibilität für Neues entfaltet. Gleichzeitig entwickelt sich auch die Klassengemeinschaft weiter und bringt auf der Bühne besondere Ergebnisse hervor.

Mit Spaß und Leidenschaft erzählt und betreut als Arbeitsgemeinschaft von Schulleiterin Evelyn Futterknecht ging die Klasse 8d in diesem Schuljahr schon sehr versiert heran an das Verfassen eines Handlungsrahmens, an das Arrangement von dazu harmonierenden Melodien – teils selbst komponiert – und an die Integration von Songs, betörend und zu Herzen gehend vorgetragen. Kooperiert hatte das 17köpfige Ensemble wieder mit Kunstlehrer Ludwig Burands Technik- und Bühnenbild-AG, mit der im Frühjahr neu gegründeten Schülerband „GAG pack“ sowie mit Musizierenden des Hannah-Arendt-Gymnasiums und der Musikschule Lengerich.

Mit dem Charme der von der Lerngruppe selbst entwickelten szenischen Erzählung „Wo die Liebe hinfällt“ eroberte das junge Ensemble am Montag (13. Juli 2026) die Herzen aller Zuschauenden. Morgens war es das junge Publikum aus der Erprobungs- und Mittelstufe, das begeistert war und erkannte, was eine Klasse durch Kooperation und Kreativität an Bühnenwirksamkeit entfalten kann, und in der Abendvorstellung konnten alle Mitwirkenden eine noch bedeutsamere Wirkung ihres Stückes auf ein erwachsenes Publikum erspüren, das begeistert auf alle Aspekte ihrer Erzählweise reagierte: „Wir haben gemerkt“, so Evelyn Futterknecht in ihrer Nachmoderation, „dass an ganz unterschiedlichen Stellen reagiert und gelacht wurde: Das war wichtig für uns alle!“.

Die Emotionen und Situationen, die dargestellt wurden, verfingen beim Publikum, und es herrschte eine sehr interessierte, amüsierte und harmonische Stimmung, auch wenn – wie das Thema auch irgendwie erahnen lässt – nicht nur ‚eitel Sonnenschein‘ dazugehörte, was gleich eingangs durch eine besonders gut und mit Wortmitteilungen untermalte Choreografie unterstrichen wurde: Nicht nur Freude, Harmonie und Zuneigung umgeben diese besonders wichtige menschliche Emotion, sondern auch Neid, Eifersucht, Enttäuschung und Zorn.  Die humorvolle Inszenierung unterstrich das Groteske und die Schattenseiten des Liebens und sich Mögens. So wurde in verblüffender und prägnanter Weise deutlich, wann man Freundschaft als solche betrachten kann: Gehören Hausaufgabenlieferung dazu oder ist etwa der Bruder eines Freundes zu peinlich, um mitgebracht zu werden? Inmitten dieses Selbstfindungschaos‘, das deutlich nah am Mobbing vorbeischrammt, treten einzelne Darstellerinnen hervor und untermalen durch eindrucksvoll vorgetragene Songs, begleitet durch Pianospiel aus dem Ensemble, die Einsichten einzelner, die nachdenklich, einsam und beeindruckend aus der Masse hervortreten.

Eine überlebensgroße Sanduhr (gestaltet durch Hausmeister Alfons Middendorf) bestimmt den Ablauf der Szenen. Teils in choreographischen Darstellungen (durch Tanzlehrerin Dagmar Kerssen inspiriert), teils in perfekt umgesetzten Songs und im Kern in aussagefähigen Dialogen werden typische Situationen klug kombiniert, die das Thema Liebe mit seinen Gegensätzen umgibt: Da ist zum Beispiel die Liebe in der Familie mit ihren zuweilen grotesken  Facetten. Hier erregt eine Mutter Heiterkeit, die ihren gewalttätigen Sohn vor der Schuldirektorin zwar wie eine Löwin verteidigt, im Grunde aber weder weiß, wie viele Kinder sie eigentlich hat, noch wie diese heißen. Kurz aber umso prägnanter und überaus amüsant fügt sich eine Datingshow in das Geschehen ein, deren Moderatorin schnelle Entscheidungen verlangt und dem spontan ‚matchenden‘ Paar ein vieldeutiges „Viel Glück!“ hinterherruft! Gegensätzlich dazu und mit Erich Fried fast aus einer anderen Zeit geholt nimmt sich dazu ein Frage-und-Antwort-Dialog eines Mädchens mit Stimmen aus dem Off aus, das immer wieder die Antwort „Es ist was es ist!“ wiederholt. Eine Hochzeitszene in Schwarz-Weiß mit einem – wie auch insgesamt gelungenen! – Kostümbild beendet die Handlung, in der der Bräutigam von seiner Geliebten aufgespürt und von seiner Braut verlassen wird.

Verblüffend war, wie harmonisch und eingespielt das Zusammenspiel der Darstellenden, der Musizierenden und des Bühnenbild-Technikteams funktionierte, um sowohl sehr realistische wie auch verfremdende Effekte in die Handlung zu integrieren. Insgesamt, so spürt das Publikum, könnte diese mit ähnlichen und anderen Szenen unendlich verlängert werden. Untermalt durch ein Schattenspiel mit den Konturen und Bewegungen bekannter und unbekannter Figuren besitzt das Stück sehr viel Potenzial, die Phantasie der Zuschauenden für Parallelen und/oder Unterschiede im realen Leben anzuregen.

Bewundernswert in Talent und Kompetenz – aber auch in Bühnenwirksamkeit – sind die musikalischen Solistinnen im Gesang, am Klavier, am Schlagzeug und am Saxophon.

Das Ensemble, dessen Weiterarbeit als AG im nächsten Schuljahr von Evelyn Futterknecht zur Freude aller schon avisiert wurde, hat sich mit seiner Improvisation zu dem nun eher mehrdeutig erscheinenden Sprichwort „Wo die Liebe hinfällt“ als GAG-Kreativklasse weiter profiliert: Als Theaterensemble ist die künftige 9d daher schon jetzt eindeutig einfach nur erlebens- und liebenswert!

(Ho)

Fotos: Kerstin Plakat-Schlingmann

Titel (Probenfoto): Ludwig Burandt