Jubiläumsstimmung am GAG

Jubiläumsstimmung am GAG

50 Jahre Schulpartnerschaft mit dem Collége Saint Exupéry gewürdigt

Eine besondere Würdigung ihrer seit nunmehr 50 Jahren bestehenden Schulpartnerschaft stand das Graf-Adolf-Gymnasium und das Collège Saint Exupéry in Chalonnes-sur-Loire im Schuljahr 2025/26 auf der Agenda. Nachdem im Herbst 2025 in Chalonnes die ‚französische Eröffnung‘ mit vielen tollen Ideen und Gästen aus beiden Ländern stattgefunden hatte, bildete der Besuch der Chalonner Austauschgruppe in Tecklenburg vom 19. – 27. März 2026 ein ereignisreiches und festliche Jubiläumsfinale.

Die diesjährige Partnerschaftsgruppe umfasste 42 „corres“ von Deutsch- und Französischlernenden: Beide Seiten lernten sich bereits in Chalonnes kennen, und daher waren die Jugendlichen bereits mit Aspekten ihrer deutschen Partnerfamilien vertraut, das sie nun über eine Woche ‚live‘ miterleben sollten. Seitens des Collège waren es wieder Anne-Sophie Renoust, Bernadette Dilé-Abelard und Nelly Furst, die sie begleiteten. Die GAG-Französischfachschaft, vertreten durch Anja Weitkamp, Katharina Thiel, Sebastian Salk und Natalie Mousset, hatte das Austausch- und Jubiläumsprogramm mitgestaltet, flankiert durch viele Kollegiumsmitglieder, die interessante Einzelbausteine erdacht und umgesetzt haben. Hier ist vor allem das Potpourri kreativer Ideen zu nennen, das von Kunstlehrerin Lisa Volkamer im Rahmen des Jubiläumsgedankens initiiert wurde: Ein längerfristig im Rahmen von Projektarbeit angelegtes deutsch-französisches Comic-Projekt ist in der Pausenhalle ausgestellt, eine Dokumentation ihrer Fotos zum Jubiläumsgeschehen ist im GAG-Intranet (iserv) abrufbar.

Mit einem grandiosen musikalischen „Flashmob“ überraschte die GAG-Schulgemeinschaft am Freitagvormittag (20. März 2026) ihre französischen Gäste, eine 11-köpfige Gruppe Deutschlernender des Collège. Alle Klassen und Lerngruppen hatten sich versammelt und das in den letzten Wochen einstudierte mittlerweile schon zur „Hymne des Austauschs“ gewordene Lied „A Chalonnes „(nach der Melodie von „Oh, Champs Èlysées“) angestimmt. Außerdem erschuf die Idee, bekannte französische Melodien in das Festprogramm einzubetten, auch beim Festakt am Freitagabend (20. März) viel Frankreich-Flair: Sowohl die von Musiklehrer Simon Zafiraris geleiteten vokalpraktischen Kurse als auch ein von ihm am Klavier begleiteter Lehrkräfte-SchülerInnen-Chor intonierten bekannte französische Titel (siehe weiter unten: …)

Neu war in diesem Jahr, dass von Montag bis Donnerstag Woche (23. – 26. März 2026) im Rahmen des Erasmus-Plus-Programms eine weitere Gruppe Lernender des Collège mit zwei Lehrkräften dazukam, um am GAG ein Hochbeet mit französischen Kräutern anzulegen (siehe weiter unten: …).

 

50 Jahre Jumelage – Warum ist sie stabil geblieben?

Ein halbes Jahrhundert deutsch-französischer Schulpartnerschaft wurde nun von den beiden Schulen begangen: Neben ihre Kernaufgabe, der Vermittlung der Sprache des Nachbarlands, haben sie auch dem Aspekt der Begegnung mit sehr viel Engagement sich stetig anpassenden Konzepten gewidmet. Jugendliche Französisch- und Deutschlernende beider Nationen machen sich, organisiert durch ihre Sprachlehrkräfte, seit 50 Jahren auf, um eintausend Kilometer entfernt Erfahrungen zu machen, die eine Schulgemeinschaft des Nachbarlands für sie bereithält mit Gastfamilien, Kulturaspekten, Offenlegung von Traditionen sowie Lern- und Erziehungsstilen – vordergründig um den konkreten Gebrauch der Sprache des Gastlands näher kennenzulernen. Diese Komponenten bilden die Basis, die vor allem durch die Lehrkräfteteams dieses langen Zeitraums gemeinsam und nachhaltig gepflegt wurde, um in Gegenwart und Zukunft Bestand zu haben!

Auf eine solche zeitliche Stabilität bringen es nur wenige deutsch-französische Schulpartnerschaften, dies besagen Statistiken!

Wieso ist es gerade hier gelungen zwischen zwei Kleinstädten, die fast eintausend Kilometer voneinander entfernt liegen, die eine fast am Atlantik und die andere an der äußersten Nordwestgrenze Westfalens? Warum ist die „jumelage franco-allemande“ zwischen dem GAG und dem Collège lebendig geblieben und führt auch stetig zu gegenseitiger Inspiration über die „Grenzen“ zweier Schulsysteme hinweg?

 

Management eines Malheurs als ‚Urknall‘ eines Selbstläufers

In der Atmosphäre der seit der Nachkriegszeit gewachsenen Idee einer deutsch-französischen Annäherung und des durch Konrad Adenauer und Charles de Gaulle unterzeichneten Élysée-Vertrags von 1963 reiste man auch privat wieder in das Nachbarland, als im Jahr 1974 eine Autopanne den Leiter des Collège, Monsieur Batard Schulleiter Gerhart Knoblauch in Tecklenburg zusammenführte. Unkompliziert entwarfen sie sie am Rande ihres mittlerweile schon legendär gewordenen Managements dieses Malheurs die Idee einer Partnerschaft ihrer Schulen entwickelten. Das, was die Französisch- und Deutschlehrkräfte ihrer Schulen konzipierten, ausgestalteten und mit viel persönlichem Engagement auf eine regelmäßige Basis brachten ist für Französisch- und Deutschlernende beider Schulen noch sehr präsent. Sicher war es auch die konkrete Chance für die Lehrkräfte all dieser Jahre, ihrem Fremdsprachenunterricht eine regelmäßig erfahrbare Dosis „richtiges Leben“ zu zuzusetzen und damit dem Lernen der Sprache des Nachbarlands Sinn und Attraktivität zu verleihen. Dies stärkte die Bindung der Anfangsjahre, und es wurde die Regel und bald auch ein ‚Selbstläufer‘ daraus, von dem, wenn man es hochrechnet, immerhin circa 2.000 Jugendliche beider Nationen profitieren konnten. Beim Festakt in der Aula des GAG sahen sich viele von Ihnen wieder, Lehrkräfte und „corres“, Ehemalige und heutige Teilnehmende. Sie erfuhren Anerkennung von Seiten ihrer Schulleitungen, vieler Ehrengäste und einem großen Publikum.

Im Rahmen der Vorbereitung des Jubiläums entwickelten Anja Weitkamp, Sebastian Salk, Katharina Thiel und Natalie Mousset im Vorfeld des Frühjahrsbesuchs der Chalonner Gruppe gemeinsam mit dem Kollegium Ideen, die eine Bandbreite der Wirkungen eines halben Jahrhunderts deutsch-französischer Partnerschaft beider Schulen verdeutlichen sollte. Nicht allein, dass aus den Reihen des GAG so viele Schülerinnen und Schüler das Leben am Collège und das Familienleben ihrer „corres“ kennengelernt haben und umgekehrt so viele französische Jugendliche das Gleiche in unserer Region erfahren haben. Auch der interkulturelle Zugewinn durch die vielen Exkursionen an beiden Orten, die Besichtigungen, das Erleben von Traditionen und Essgewohnheiten, von Erziehungs- und Unterrichtsstilen in den beiden Ländern bleibt für all jene ein besonderer Zugewinn an Lebenserfahrung. Immer bot diese Partnerschaft allen Teilnehmenden eine vertrauensvolle Basis des Beobachtens, Erkennens und Verstehens, gerade auch auf Basis der Sprache, mit der man die Verständigung in ein stabiles Gleis brachte.

Schulleiterin Evelyn Futterknecht, die im Herbst 2025 selbst an der Jubiläumsfahrt nach Chalonnes teilnahm, hob begeistert die besondere und gastliche Atmosphäre, vermittelt auch durch den heutigen Schulleiter Monsieur Bruno Faucher, das Kollegium und die Schulgemeinschaft des Collége hervor. Auch die anregende Kooperation, die sie seit Jahren im Erfahrungsaustausch mit Mme Kathy Desveaux, der stellvertretenden Schulleiterin des Collège pflegt, habe in vielen Bereichen Ideenaustausch und Integration von Modulen der Partnerschulen möglich gemacht.

 

„Malheur wurde Bonheur“! – die Zwischenbilanz nach 50 Jahren

Zahlreiche ehemalige Teilnehmende des Austauschs, den sie als damals durchschnittlich Dreizehn- bis Vierzehnjährige als „corres“ erleben konnten, um die Schul- und Lebenswelt ihrer Partnerinnen und Partner kennenzulernen, waren Ende März 2026 ans GAG eingeladen. Einige von ihnen waren außerdem der von der GAG-Fachschaft initiierten Idee gefolgt, alte Bilder und Erinnerungen einzusenden, die sich jetzt – und noch für eine Weile – in der Pausenhalle der Tecklenburger Gymnasiums betrachten lassen.

Die Begeisterung der Teilnehmenden am Frankreichaustausch und die Stabilität vieler Beziehungen wird bis heute beschworen. Es waren nicht nur die Lehrkräfte beider Schulen, die kontinuierlich in Kontakt blieben und die zehn bis vierzehn Tage des Zusammenseins auch privat miteinander verbrachten, sondern es entstanden auch unzählige stabile deutsch-französische Freundschaften, Familienbande und nicht zuletzt auch die Städtepartnerschaft zwischen Tecklenburg und Chalonnes-sur-Loire.

 

UNESCO-Projekttag am GAG: „Grenzen überwinden“

Auf einen nicht nur aus einer Feierstunde bestehenden Jubiläums-Festtag am Freitag, den 20. März hatten sich am GAG im Frühjahr 2026 schon langfristig die Vorbereitungen konzentriert, und man war sich einig, dass ein Rahmen, der allen Lernenden Gelegenheit zur bewussten Mitarbeit geben konnte, am passendsten durch die Vorausnahme des UNESCO-Projekttags geschehen konnte, mit dessen vielsagendem Motto „Grenzen überwinden“. Das GAG als UNESCO-Schule nutzte das diesjährige Thema des weltweiten Netzwerks als einen stimmigen Rahmen, um in allen Lerngruppen Projekte und mit einem breiten Fächerkanon zu planen, die am Vormittag vorgestellt wurden. Mit einem bunt gefächerten Potpourri an Gestaltung, Forschung und Aktion startete man vormittags gemeinsam mit der Chalonner Gastgruppe und Gästen aus beiden Ländern, indem man die Projekte der heutigen Lernenden ausgiebig würdigte. Dazu gehörte aber auch, dass eine Aufstellung aller Ehemaligen Austauschgruppen durch die Französisch-Fachschaft vervollständigt wurde.

Zahlreiche der GAG-Projekte „Grenzen überwinden“ 2026 stachen durch ihre Originalität und Sensibilität in der Auswahl der Themen und der Formen ihrer Darstellung hervor. Die bunt gefächerten und thematisch vielschichtigen Ergebnisse (eine Aufstellung hierzu findet sich in der Dokumentation UNESCO-Aktivitäten des GAG) blieben noch eine Weile in der Pausenhalle ausgestellt und rahmten einen Festakt in der Aula sowie ein geselliges Beisammensein, übergehend in abendliche Partystimmung. Organisiert war alles von der Französisch-Fachschaft, einem sehr engagierten Jubiläums-Aktivkreis der GAG-Schulgemeinschaft, dem GAG-Kollegium und vielen Französischlernenden.

Gemeinsam ist es gelungen, die ersten 50 Jahre dieser Partnerschaft in Erinnerung zu rufen und unseren Chalonner Gästen des Jubiläumsjahrs zu vermitteln, wie wichtig diese Partnerschaft dem GAG stets geblieben ist.

(Ho)